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Störer unerwünscht

Der Aufsichtsrat der Marseille-Kliniken will die Aktionäre zügeln

Hamburg - Welch ein Affront: Es sollte der einzige Termin im Jahr werden, an dem die Kleinaktionäre Fragen an Manager ihrer Firma stellen könne. Und nun sollten die Anteilseigner der Marseille-Kliniken bei ihrer eigenen Versammlung eine neue Geschäftsordnung abnicken, die einem Maulkorb gleichkommt? Sie selbst sollten verfügen, dass Aktionäre 'aus dem Saal zu entfernen' seien, wenn sie dauerhaft störten, wie Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff am Freitagmorgen erklärte?

Gut 100 Aktionäre saßen da schon auf Klappstühlen im Foyer der Verwaltung in Hamburg, etliche meldeten sich empört zu Wort. 'Das gehört nicht in die deutsche Aktienkultur', schimpfte Kleinaktionär Bernd Günther, Geschäftsführer von Idunahall. 'Wir haben doch genug Ärger mit anderen Vorkommnissen.' Worauf Günther anspielte: Seit Monaten steckt der Betreiber von 60 Pflegeheimen in der Krise. Von sechs Vorständen, die seit 2008 angetreten sind, ist keiner mehr da. Zuletzt wurde Finanzvorstand Thomas Klaue im Oktober fristlos gekündigt, zur gleichen Zeit wurde Firmenchef Stefan Herzberg abgemahnt und ging freiwillig. Herzberg hatte Firmengründer Ulrich Marseille erst sechs Wochen zuvor an der Spitze abgelöst. All diese Wechsel seien 'schlimmer als beim schlimmsten Skandalverein im Profifußball', mahnte Günther.

Das Führungschaos hatte schon bei der vergangenen Hauptversammlung für Zoff gesorgt. Grund genug für den Aufsichtsrat, strikte Regeln zu fordern. So, als würde er den Unmut nicht hören wollen. Etwa darüber, dass der Aufsichtsrat auf die Agenda gesetzt hatte, die zwei Ex-Vorstände nicht entlasten zu wollen. Beide hätten im September zwei Sitzungen durchgeführt und Verträge abgeschlossen, ohne den dritten Vorstand - und jetzigen Alleinvorstand - Michael Thanheiser zu beteiligen, sagte Middelhoff dazu. Klaue und Herzberg bestreiten jegliche Pflichtverletzungen. Middelhoff weiß die Großaktionäre Ulrich Marseille und seine Frau Estella-Maria hinter sich. Beide verfügen über 60 Prozent der Aktien und konnten zuletzt auch Anträge gegen den Willen anderer Aktionäre durchboxen.

Die Verquickungen zwischen Marseille, den Räten und der Firma seien zu eng, monierte Markus Neumann von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). So hatte die Pflegekette im Geschäftsjahr 2010/2011 üppige Kredite vergeben an Maria-Estella Marseille und an die Firma von Hans-Hermann Tiedje, dem Ex-Chefredakteur der Bild-Zeitung. Beide sitzen im Aufsichtsrat. 'Es muss die Leitvorstellung sein, keine Beziehungen zu nahestehenden Personen zu haben', forderte Neumann.

Einer der oft angefeindeten Aufsichtsräte fehlte am Freitag: Mathias Kampmann. Dieser habe 'aus gesundheitlichen Gründen' sein Amt niedergelegt, hieß es. Eine Erklärung, die Fragen aufwirft. Denn gegen den Ex-Chef von Rainbow Tours ermittelt seit kurzem die Staatsanwaltschaft Hamburg wegen Insolvenzverschleppung und Betrug. Kampmann bestreitet diese Vorwürfe.

Nicht nur die Personalie, auch ein Sinneswandel überraschte dann viele: Middelhoff kündigte an, er wollte die Abstimmung über die neue Geschäftsordnung bis zum Ende des Treffens zurückstellen. 'Vielleicht brauchen wir sie dann nicht mehr.'

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